LITERATUR

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Der Begriff Text reicht auch ästhetisch weiter als der Begriff Literatur. Natürlich ist Literatur immer Text und Text nicht immer Literatur, aber Text liegt tiefer im Horizont des Machens als Literatur. Er verwischt nicht so leicht die Spur der Herstellung, er macht die Halb- und Zwischenformen sichtbarer, er beweist die vielfältigen Stufen der Übergänge und genau auf diesem Umstand beruht seine Funktion der Erweiterung des Begriffs Literatur.

Text bezieht immer Literatur ein, reflektiert beständig auf Literatur und was auf Text zutrifft, wird auf Literatur zutreffen: in diesem Ausmaß kann der Begriff der Literatur am Begriff des Textes erwogen werden und ein Phänomen an einer Realität gespiegelt.

Was gemacht werden soll, ist Literatur; was gemacht wird, ist Text. Daß auch hier das ästhetische Moment im artistischen eingeschlossen ist und die Kunst nur ein wahrscheinlicher Zustand ist, wenn das Machen den Zufall streift, grenzt das Handwerk gegen die Schöpfung ab.

Max Bense